Heimkehr - der umgekehrte Kulturschock und wie du ihn verringern kannst!

18.02.2018

Die Koffer sind gepackt. Deine Freunde und Gastfamilie mit vielen Tränen und guten Worten verabschiedet und du bereitest dich gedanklich auf deine alte Heimat vor. Du siehst nach langer Zeit endlich deine Freunde wieder, deine Familie und alle Menschen die dir wichtig sind. Dabei hast du so viel Neues erlebt, so viel Erzählenswertes und hast so viele Erfahrungen gemacht die dich als Persönlichkeit haben wachsen lassen.

Gedanklich an diesem Punkt angelangt, sagst du dir bestimmt „Mittlerweile bin ich mit allen (ausländischen) Wassern gewaschen. Was soll mich jetzt noch in der Heimat überraschen?“

Und zu Recht fragst du dich, was soll sich bitte in 6, 12 oder 18 Monaten so krass in deinem Heimatland verändert haben, dass es dir Kopfzerbrechen bereiten sollte? Die Antwort lautet: Alles!

Warum der umgekehrte Kulturschock dich so erbarmungslos trifft

Tatsächlich wirkt der sogenannte „umgekehrte Kulturschock“ schwerwiegender, als der Kulturschock, den du bei Eingang in dein Gastland zu verwinden hattest.
Der Grund: Wenn du zum ersten Mal im Gastland bist, hast du nur ungenaue Vorstellungen davon, was dich erwartet. Das Slumviertel ist vielleicht krasser als angenommen oder die Hitze heißer als gedacht. Aber im Ganzen erlebst du beim Eintritt in eine neue Kultur weniger Ent-Täuschungen, da du wortwörtlich nicht so vielen Täuschungen erlegen warst - aus Mangel an Erfahrung.

Ganz anders dagegen, wenn du wieder in deine erwartet gewohnte Heimat zurückkehrst. Du meinst, du kennst alles und alle; deine Freunde, deine Familie, deine Umgebung.

Doch Hoppla!

Was macht denn dieser neue Supermarkt an der Ecke?

Und seit wann gibt es hier einen Park?

Und wieso ist deine Lieblingskneipe plötzlich geschlossen?

Das sind nur die harmlosen Äußerlichkeiten.

Viel schwerer wiegen jedoch deine persönliche Änderung und die deiner Lieben. Solltest du die vergangenen Monate oder Jahre im Ausland nicht vollständig mit Scheuklappen oder geschlossenen Augen durch die Gegend gelaufen sein, hat dich dein Auslandsaufenthalt im geringsten Falle zum Nachdenken angeregt. Was zählt wirklich im Leben? Wie wenig braucht man um Glücklich zu sein? Ist eine steile Karriere und viel Geld wirklich das Wichtigste? Verbringe ich genügend Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden? Bin ich dankbar für den Wohlstand, den ich in Deutschland genieße? Kann ich meiner Gesellschaft etwas zurückgeben, usw...

Im besten Fall hat es deine Lebensansichten völlig über den Haufen gekarrt und du bist fest entschlossen, buddhistischer Mönch, Greenpeace-Aktivist oder Streetworker zu werden. Selbst wenn sich deine Karrierepläne nicht so überragend verändert haben, hast du wahrscheinlich in einigen Belangen deine Haltung ggü. gewissen Themen wechseln müssen.

Kommst du nun zurück in dein Heimatdorf oder deine Kleinstadt, haben deine Lieben diese Veränderung nicht mitgemacht. Verurteile sie dafür nicht. Sie können nichts dafür. Doch damit nicht genug!

Sie haben während deiner Abwesenheit völlig andere Erfahrungen gemacht, denn auch ihr Leben ist weitergegangen. Auch Sie haben ihre Ansichten vielleicht geändert oder auch nicht. Sie haben möglicherweise Tiefgreifendes erlebt. Die beste Freundin hat vielleicht geheiratet, eine Tante ist verstorben und ein befreundetes Paar ist weggezogen. Alle diese Ereignisse haben eins gemeinsam:

Du warst nicht dabei.

Dir fehlt somit eine wichtige Information und Erfahrung, die die anderen um dich herum gemacht haben und die sie verbindet. Somit kannst du dich leicht „draußen“ fühlen. Du kannst die Erzählungen der dir vorher nah stehenden Menschen nicht nachvollziehen und dir fehlen wichtige gemeinsame Erlebnisse. Ihr steht nicht mehr am selben Punkt wie vor deiner Reise.

Doch das Schlimmste: Auch wenn du noch so gute Freunde hast und sich deine Familie für jedes Detail deiner Reise interessiert: Sie können deine Erlebnisse nur begrenzt nachvollziehen. Sie waren nicht vor Ort. Ihnen fehlen, Gerüche, die dortige Wärme, der Staub, der Lärm und das Lächeln oder Brüllen der Menschen, das du erlebt hast. So bleibt es für sie eine wage Beschreibung einer fernen Realität, die für sie auch immer etwas Surreales haben wird.

Gräme dich nicht! Auch sie werden Entscheidungen getroffen haben, die du nicht nachvollziehen kannst oder sind Schritte gegangen, die du schlicht unfassbar findest.

Bewusste Bejahung der Veränderung

Kulturschock umgekehrt

An dieser Stelle musst du dich bewusst entscheiden deine Freunde, Familie, Studien- und Arbeitskollegen ein ganzes Stück neu kennenzulernen und dich dazu. Denn auch dir werden Dinge, die du vorher als naturgegeben hingenommen hast plötzlich sauer aufstoßen: Warum sind hier alle sooo gestresst und wieso hetzen sie so? Warum muss das Leben hier bloß so durchgeplant sein? Und dann die ganzen Ämter-Neuanmeldungen. Das brauchtest du in deinem Gastland wahrscheinlich alles nicht tun. So fällt diese deutsche Normalität besonders auf und wird dich nerven.

Andererseits wirst du aber auch Dinge neu zu schätzen wissen. Es gibt Straßenbahnen und Busse! Es gibt Straßenbahnen und Busse und sie fahren! Es gibt Straßenbahnen und Busse und sie fahren pünktlich! Es gibt Busse und Straßenbahnen und sie fahren pünktlich und auch deine Verabredung ist pünktlich am verabredeten Ort! Eine ganz neue Dankbarkeit stellt sich ein.

Alles Kleinigkeiten und doch stellen sie wahrscheinlich einen gewichtigen Unterschied zu deinem Gastland dar.

Fazit

Diese Vermischung aus Gewohntem, Verändertem und Neuem musst du erst einmal verdauen. Je nach Länge deines Auslandsaufenthaltes kann dies 3-6 Monate, bei mehrjährigen Auslandsaufenthalten auch noch länger dauern.

Die gute Nachricht:

Es ist völlig normal, dass du diese Phase durchlebst und sie wird vorüber gehen.

(Leider) wird für dich auch dieses „Veränderte“ eines Tages wieder normal sein und du wirst ein Stück Dankbarkeit für die alltäglichen Dinge verlieren. Bei mir hat der Vorsatz, mir kein neues Handy mehr anzuschaffen, weil es eigentlich unnötig ist, ein Jahr gehalten. Danach „hatte mich die Werbung wieder soweit“ und ich musste ein aktuelleres Gerät anschaffen! Musste? Nein, wollte, denn ich bin in die alte Falle, des sich-vergleichens mit anderen getappt und wollte gleich ziehen.

 

Ich wünsche dir...

...dass deine inneren Veränderung und neuen Prägungen von längerer Dauer sind und sich positiv auf dein Umfeld auswirken.

 

Kennst du die 4 krassesten Unterschiede, auf die du als Deutsche/r im Ausland stoßen wirst? Checke sie hier!