Warum es sinnvoll ist, bei einer Gastfamilie oder in einer WG mit Einheimischen zu wohnen

21.11.2016

Am Anfang wirst du immer wieder zwischen wechselnden Gefühlen stecken. Dir werden etwa folgende Gedanken durch den Kopf gehen:

„Könnte ich bloss besser verstehen!“

„Warum können sie nicht langsamer sprechen?“

„Ich wünschte, ich könnte mich jetzt besser ausdrücken!“

„Warum verstehen die mich nicht? Ist meine Aussprache wirklich noch so schlecht?“

„Hoffentlich nerve ich sie nicht mit meinen vielen Fragen.“

„Immer frage ich dasselbe. Ich werde es nie lernen!"

"Die haben bestimmt bald keine Lust mehr mir zu antworten. Wie peinlich.“

Es ist eine sehr frustrierende Zeit, in der du dich in deine Kleinkindphase zurück geworfen fühlst. Falls du ein durchschnittlicher deutscher selbstbestimmter Mensch bist, wird das deine größte Herausforderung werden: Die Erfahrung zu machen, von anderen abhängig zu sein und sich dabei extrem hilflos vorzukommen.  Aber auch das wird dich für dein Leben prägen. Zum einen merkst du, wie hilfsbereit Menschen im Grunde sind und dass auch du gerne weiterhilfst, wenn dich mal jemand darum bittet. Zum anderen merkst du, dass es nicht das Ende der Welt ist, Hilfe zu benötigen und selbst nicht weiterzukommen. Dadurch wirst du auch gnädiger im Umgang mit anderen. Hoffentlich. ;-)

Um diese Zeit abzukürzen, will ich dir zwei Tipps auf den Weg geben:

1. Du kannst dir zum einen eine WG suchen, die aus Einheimischen besteht. Wichtig dabei ist, dass sie möglichst kein Englisch sprechen (falls du nicht gerade in Australien oder Südafrika gelandet bist), sondern die landestypische oder Stammessprache. Sonst besteht immer die Gefahr, dass man sich in der Mitte trifft. Die Mitte ist hierbei die englische Sprache, die allen Beteiligten am leichtesten fällt. Denn, bevor man sich umständlich mit Händen und Füßen erklärt und nach dem landestypischen Wort sucht, geht es doch auf Englisch viel schneller. Doch Vorsicht: Das ist eine Bequemlichkeitsfalle. Dadurch wird sich zwar im Laufe der Zeit dein Englisch verbessern, nicht jedoch deine Landessprachenkenntnisse.

Falls du Angst davor hast, mit unbekannten Einheimischen zusammenzuwohnen, gibt es noch eine zweite Möglichkeit:

2.Organisiere dir eine Gastfamilie. Viele international tätige Organisationen, die sich auf den Austausch zwischen den Kulturen konzentrieren, sind dabei eine gute Hilfe. Entweder Sie organisieren dir gleich ein gesamtes (Hilfs-)programm bei dem du die neue Kultur umfassend kennenlernst, mitarbeiten kannst und gleich die Gastfamilie dazu oder sie stellen dir gegen ein Endgeld eine Gastfamilie zur Verfügung.
Falls du Kosten sparen willst oder selbstbewusst genug bist, kannst du auch im neuen Land selbst auf die Suche nach einer geeigneten Familie gehen. Bist du in einem Programm oder festem Umfeld eingebunden, hast du höchstwahrscheinlich ohnehin regen Kontakt zu Einheimischen. Hast du eine Familie entdeckt, die dir besonders symptathisch ist und die Chemie stimmt zwischen euch, traue dich ruhig und frage sie an. Falls es ihnen irgendwie möglich ist, werden sie dich aufnehmen. Falls nicht, kann dies unterschiedliche Gründe haben, die gar nicht mit dir zusammenhängen müssen. Welche Gründe können das sein?
Es kann Ihnen unangenehm sein, dass du, der du aus dem "reichen Deutschland" kommst, in ihren bescheidenen Verhätlnissen leben sollst. Das scheint ihnen nicht angemessen. Selbst wenn du erklärst, dass dir jede Unterbringung recht ist, kann es daran scheitern.

Ein weiterer Grund kann sein, dass sie es für ihre Pflicht halten, dich während deines Aufenthaltes bei ihnen auch zu versorgen. Das geht mit ihrem Gastfreundschaftsverständnis einher. Selbst wenn du ihnen versicherst, dass es dir nur um das zusammen leben und das Sprache erlernen geht und du selbstverständlich deine Unkosten selbst deckst, werden sie es wahrscheinlich nicht annehmen wollen.

Da bei vielen Familien in einfachen Verhältnissen das Geld jedoch gerade so reicht um sich selbst zu versorgen, sind sie in einer Zwickmühle. Einerseits wollen sie dich als Gast zuvorkommend und ehrend behandeln, anderseits lässt dies ihre eigene schmale Geldbörse nicht zu. Sagen können sie dies dir jedoch auch nicht, da sie dann ihr Gesicht verlieren würden.Doch es gibt einen Ausweg.

Wenn du merkst, dass dies das Problem ist, könntest du mit einem guten Freund, der euch beide kennt, darüber reden und ihnen über ihn etwas Geld für die Unkosten zukommen lassen, falls sie einer Unterbringung zugestimmt haben. Somit bleibt ihr Gesicht gewahrt und du tust auch den Teil der dir möglich ist.

Ein Tipp zum Schluss, falls es zu permanenten Spannungen in der WG oder der Familie kommen sollte.

Falls du nun nach einigen Wochen merkst, dass es aus irgendwelchen Gründen gar nicht mehr geht, zusammen zu wohnen, versuche, dich mit einer kleinen Ausrede zurück zu ziehen. Z.B. dass dich ein dortiger Freund gebeten hat, seiner Familie etwas zu helfen und du dem gerne nachkommen möchtest. Oder, dass du leider weiterziehen musst, weil du dir noch Stadt X oder Organisation Y anschauen möchtest. Auch hier bleibt beiderseits das Gesicht gewahrt, auch wenn es für unser deutsches Verständnis "anständiger" wäre, den waren Frust-Grund auf den Tisch zu legen. Überlege dir, ob dies hilfreich, beziehungsstärkend und wirklich nötig ist. Falls nicht, verzichte darauf.

Die gute Nachricht: Das Schwierigste an einer neuen Sprache ist nach ca 2-3 Monaten geschafft. Vielleicht dauert es auch 4 Monate bei dir, aber dann solltest du soweit Small-Talk-fähig sein,  so dass dir die alltäglichen Konversationen falls nicht leicht fallen, dann immerhin möglich sein sollten.

Also, nicht aufgeben und soviel den Kontakt und das Gespräch mit Einheimischen suchen, wie es dir möglich ist. So wird deine erste Phase im neuen Land nicht zu einer Schockphase sondern zu ... hier weiterlesen

Kein Formular zum Anzeigen