Neue Kultur - Ankunft im fremden Land - Teil I

30.01.2017

Wie reagierst du auf die neue Kultur?

1. Du findest es genial und genießt, dass alles sooo anders ist als in Deutschland. Freiheitsgefühl, unendliche Chancen, und permanent neue Impulse übergießen dich.

2. Du bist erschüttert, dass alles um dich herum tatsächlich so wenig deutsch ist, wie dir dein Reiseführer angedeutet hatte, die Menschen tatsächlich nur die lokale Sprache (und nicht Englisch oder Deutsch sprechen) und völlig merkwürdige Eigenarten haben?

Gib nicht auf! Gerade der Versuch das auszudrücken, was einem auf dem Herzen liegt, gleicht zu Anfang einem Kampf gegen Windmühlen.

Meine größte Frustration war nicht, dass ich andere nicht verstand oder mir meine Fehler peinlich waren: Ich ärgerte mich zutiefst, dass ich statt einer ausgefeilten Antwort, nur mit „gut“, „schön“, „schlecht“ und „nein, aber“ antworten konnte. Ich fühlte mich, als würde ich permanent in der weiten See der Worte und Phrasen untergehen. Ein sehr unschönes Gefühl. Doch eine gute Nachricht: Nach etwa drei Monaten hatte ich das schlimmste geschafft! Dann musste ich das Land wechseln.

2. Die drei größten Herausforderungen: Essen, Wetter, Sprache

Man glaubt es kaum, aber nicht nur Liebe geht durch den Magen, sondern das gesamte Wohlbefinden eines Menschen hängt sehr stark mit dem Essensgenuss ab. Soll heissen, wenn du den ganzen Tag mies gelaunt bist, dir alles fremd und unangenehm vorkommt, kann ein Grund dafür sein, dass dir das lokale Essen nicht schmeckt.

Dies ist sogar sehr wahrscheinlich, da die Essgewohnheiten, Zeiten, Zutaten und Arten von den deutschen ziemlich abweichen werden. Auch hier gilt: Embrace what you can´t change – Gehe mit einer offenen Haltung an die verschiedenen Speisen heran und denke nicht so viel über die Details nach (wo es herkommt oder wie es zubereitet wird).

3. Tagebuch, Wörterbuch Handyfotos– deine besten Freunde

Am Anfang werden dich die Eindrücke überwältigen und vielleicht erschlagen. Neue Kultur, Gerüche, Essen, Gemeinschaft, unbekannter Alltage usw. Da diese frischen Eindrücke so nie wieder auftauchen werden, ist es eine gute Idee diese frischen Gedanken und Erfahrungen für dich (und die Nachwelt) aufzuschreiben. Später wirst du dir selbst dafür danken, da Erinnerungen in Retrospektive immer geschönt und positiver ausgelegt werden, als sie es in dem Moment waren.

Mache am Anfang Fotos wo du gehst und stehst. Das erste mal im Zentrum? Der erste Blick in dein eigenes (oder geteiltes) Zimmer? Der erste Kontakt mit deinen neuen Kollegen, Mitbewohnern, Kommilitonen? Der erste Spaziergang im Regen in deinem neuen Viertel? Das erste Mal auf den nahe gelegenen Berg gekraxelt, ohne Plan? Die Häuser, der Fluss, die Wiesen- alles normal, doch jetzt noch außergewöhnlich. Dies sind alles einmalige Erlebnisse, die so nicht mehr auftreten und von dir nie wieder mit derselben Offenheit, Neugier und Unvoreingenommenheit betrachtet und wahrgenommen werden. Mache davon Momentaufnahmen in deinem Herzen und mit einer Fotokamera, so hast du immer ein emotionales Erinnerungsstück, da es besonders tiefe und wichtige Erlebnisse sind.

Du fotografierst nicht gerne? Mach wenigstens hin und wieder ein paar Schnappschüsse von außergewöhnlichen Menschen oder Umgebungen.

Du fotografierst pausenlos? Lass die Cam mal zu Hause und beobachte die Menschen einfach. Wie bewegen sie sich? Wie gehen sie miteinander um? Was ist daran anders, als du es von zu Hause gewohnt bist?

Da du quasi permanent in der Situation sein wirst, neue Worte zu hören, lohnt sich ein Taschenwörterbuch oder entsprechende App, sowie etwas wo du neue Worte notieren kannst. Gehe hierbei immer noch subjektiv empfundener Wichtigkeit vor; wenn du Worte immer wieder hörst oder dir einzelne Formulierungen aus irgendeinem Grund auffallen, hake nach.

4. Trau dich!

Es ist uns immer peinlich, wenn wir nachfragen oder zugeben zu müssen, dass wir gestern gelernte Worte nicht mehr wissen oder Furcht haben, sie falsch auszusprechen. Doch keine Angst, dein Umfeld hat bereits wahrgenommen, dass du Ausländer bist. Sprich einfach drauf los, so wie dir dein Schnabel gewachsen ist. Wirst du Fehler machen? Ja. Werden dich Menschen nicht oder falsch verstehen? Ja. Aber: Gewöhn dich dran. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und nur so lernst du am schnellsten die neue Sprache: Durch try and error!

5. Feeling sleepy?

Wundere dich nicht. Durch die permanente Anstrengung in einer anderen Sprache zu denken und diese Tag und Nacht sprechen zu müssen, wirst du die ersten Wochen überdurchschnittlich müde sein. Dazu vielleicht noch eine  schwül-warme Luft oder permanente Lautstärke einer Großstadt, die du als Dorfbewohner nicht gewohnt bist? Das alles bringt deinen Körper an die Grenzen, so dass er Extraportionen Ruhe braucht. Es ist nichts schlimm daran, seine Siesta zu nehmen. Die Einheimischen tun es wahrscheinlich auch.

6. Nicht bewerten – nur wahrnehmen; Respekt für die andere Kultur

Es gibt keine Kultur die besser oder schlechter ist. Sie ist lediglich anders. Diese Erkenntnis war eine der wichtigsten und eine derjenigen an der ich am meisten gekaut habe. Da wir Menschen am liebsten vergleichen, fällt es uns besonders schwer, das „Andere“ einfach stehen lassen zu können. Stattdessen sehen wir entweder gerne die in unseren Augen vorteilhaft, weil neu und frisch erscheinenden Eigenschaften der neuen Kultur übergroß oder die unserer eigenen, das sie uns vertrauter erscheinen.

 

Hier gehts weiter mit den nächsten Herausforderungen, denen du dich bei deiner Ankunft stellen musst.

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