Die 4 krassesten Unterschiede zu Deutschland, auf die du im Ausland stoßen wirst:

08.05.2017

Pünktlichkeit! What?
Nirgendwo auf der Welt spielt Pünktlichkeit eine derartige Rolle wie in Mitteleuropa. Nun ja, vielleicht noch in Japan.
In den meisten anderen Nationen hat man sich auf „gefühlte Pünktlichkeit“ geeinigt.
Beispiel: In Südafrika bedeutet: „See you now“ („Bis gleich“) – alles zwischen jetzt und einer bis zwei Stunden. Ist man wirklich in Eile sagt man: „See you now now“- was einem immer noch eine Zeitspanne von etwa 15-30 Minuten ermöglicht. Erst an diesem Punkt habe ich gemerkt, wie deutsch ich wirklich bin.

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen? Never!
Die meisten Schamkulturen sind beziehungsorientiert (siehe Argentinien-Blase-beispiel. Alles hängt zusammen). Das bedeutet, Arbeit wird aus überlebenstechnischen Gründen geduldet, ist jedoch selten der Mittelpunkt des Lebens um den sich alles dreht (auch im Privaten).  Falls du dir also vorgenommen hast, ein bestimmtes Projekt in einer bestimmten Zeit mit lokalen Menschen durchzuführen, bewegst du dich auf sehr dünnem Eis und wirst vor allem eins trainieren: deine Frustrations- und Toleranzgrenze. Willst du ernsthaft an einem Projekt arbeiten, musst du Zeit mit den Menschen verbringen und dich für sie interessieren. Somit erreichst du Zweierlei: Du lernst dein Umfeld und damit auch das Land kennen und steckst deine Erwartungen niedriger, wodurch du weniger Gefahr läufst, enttäuscht zu werden.

„Wie geht’s dir?“- bedeutet nicht „was arbeitest du?“

Hast du schon mal bemerkt, dass wir, wenn wir danach gefragt werden, wie es läuft oder wie es uns geht, meistens damit antworten, wie es uns mit unserem Studium oder auf Arbeit geht? Das würde den meisten uns fremden Kulturen nie einfallen. Bei ihnen ist diese Frage (leider) oft eine Floskel und etwa unserem „Hallo“ oder „Hi“ gleich zu setzen. Niemand will da wirklich mehr hören als ein „gut“ oder „läuft“, es sei denn, es handelt sich um einen guten Freund.
In Südafrika habe ich einmal einen guten Freund statt mit dem geläufigen „Hi, how are you?, nur mit „Hi“ begrüßt. Er antwortete mir automatisiert „I´m fine“, dabei hatte ich ihn gar nicht gefragt, wie es ihm ginge.
Ich wollte daraufhin wissen, ob er mir gerade zugehört hatte. Er verneinte und wurde sich dadurch erst selbst seines kulturellen Automatismus bewusst. Wenn er mich nach diesem Ereignis nun fragte „Wie geht’s dir?“ und ich automatisiert antworte „gut, gut“, bohrt er nun tiefer nach. „Nein, ich möchte wissen, wie es dir wirklich geht“. Und dann kam ein echtes Gespräch in Gang.

Ernsthaftigkeit – Mach dich mal locker
Wenn wir etwas tun, dann mit der nötigen Ernsthaftigkeit. Egal ob bei der Arbeit, beim Ehrenamt und selbst beim Hobby – immer sind wir mit großem Ernst bei der Sache. Das Leben ist schließlich kein Ponyhof.
Wir Deutsche sind im weltweiten Vergleich (Ranking-Statistik ??) nicht gerade für unsere Humorfülle und Lockerheit bekannt, sondern eher für unsere Seriösität und eben Ernsthaftigkeit.
Was tust du also, wenn du unter höchsten Anstrengungen für deinen Brunnenbau in Sierra Leone endlich alle nötigen Finanzen gesammelt, die Arbeiter vor Ort zusammengetrommelt hast und nun endlich mit dem Bau einer Bewässerungsanlage beginnen willst? Und nun kommt der Truck mit den benötigten Bauteilen nicht?
Während deine afrikanischen Kollegen sich wahrscheinlich in den Schatten des nächsten Baobabbaumes setzen und erstmal eine kühle Cola verdrücken oder irgendetwas in den Sand malen und sich darüber köstlich amüsieren, gelangst du höchstwahrscheinlich gerade an den Siedepunkt! „Wie können die hier so entspannt sein und herum witzeln, während hier die Zeit vergeht und nichts passiert!“ Dafür gibt es eine sinnvolle Erklärung:
Wir Europäer haben Uhren. Die Afrikaner haben Zeit.
Sie sind es gewohnt, dass selten alles oder auch nur etwas so läuft, wie geplant. Deswegen plant man sehr zurückhaltend bis gar nicht.
Es ist wahrscheinlicher, dass ein Staatsführer gestürzt wird, als dass eine Lieferung pünktlich zugestellt wird.
Bekommt man dann mitgeteilt, dass die Lieferung sicher „bald da ist“, klingt das in deutschen Ohren nach 1-2 Stunden. In afrikanischen Ohren sind es wohl eher 1-2 Tage oder Wochen.
Wie soll man daher nervenschonender reagieren als mit Humor?
Hier kannst du viel von deinen Gastgebern lernen. Schreibe dir diese Devise ins Herz: Humor ist, wenn man trotzdem lacht!